Donnerstag, 18. November 2010



WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH
Donnerstag, 18. November 2010






Ausstellung im Doktorhaus
OBERDIESSBACH: Vier Künstler beleben die Galerie

18.11.2010 Seit vergangenem Sonntag ist die
Galerie Doktorhaus in Oberdiessbach mit neuen Kunstwerken
ausgestattet. Vier Schweizer Künstler beleben die Galerie mit viel Farbe und neuen Ideen.


Lilian Wegmüller

So verschieden wie die Künstler selbst, sind auch ihre Kunstwerke. Christian Sahli, gelernter Hochbauzeichner, verbindet starres Metall mit Bewegung. Seine Skulpturen aus gefundenen Metallteilen kann man nach Lust und Laune drehen und verändern. Kunst verändere sich ja schliesslich, deshalb sollen auch seine Skulpturen beweglich sein, meinte er.
Die Werke von Michel Haenggi bringen Farbe in die Räume der Kunstgalerie. Seine Plastiken aus der Tier- und Fabelwelt stellt er aus Kunststoff her. Ebenso froh wirken die Collagen von Peter Schudel mit ihren kräftigen Farben.
Im Polaroid-Format
Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Polaroid-Fotos. Wenn man die Bilder von Mark Dickerhof etwas näher betrachtet, begreift man, dass sie gemalt sind. Geht man noch näher heran, ist man aber wieder unsicher. Mark Dickerhof hat eine ganz spezielle Technik, um seinen Kunstwerken diese Wirkung zu verleihen. Bei seinen ers-
ten Werken fotografierte er mit einer Digitalkamera ein Bild und druckte es dann per Transferdruck, der für Textildrucke verwendet wird, auf eine Leinwand. Mit diesem Vorgang sieht das Foto wie gemalt aus. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, indem ein Rahmen in der originalen Grösse eines Polaroid-Fotos um das Bild gemalt wurde. Die weiteren Werke, die er schaffen wollte, waren aber zu gross, um sie zu drucken. Deshalb entschloss sich der Künstler, die Bilder gänzlich zu malen. Das Format behielt Mark Dickerhof aber bei, denn dieses ist der Ausgangspunkt seiner Werkreihe. «Ein altes Polaroid-Foto hängt über meinem Schreibtisch, und ich finde das Format so schön, deshalb habe ich die Bilder wie Polaroid-Fotos gemalt.»
Leider konnte er selbst nicht mit einer Polaroid-Kamera arbeiten, da diese heutzutage nicht so leicht zu finden sind. Mit Lady Gaga als neuen Creative Director von Polaroid könnte es sich aber bald ändern. Gespannt verfolgt nun der Künstler, was mit Polaroid passieren wird.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 12. Dezember, wie folgt geöffnet: Freitag, 14 – 20 Uhr; Samstag und Sonntag, 14 – 18 Uhr.

Mittwoch, 17. November 2010






Kunst, die keine Grenzen kennt

Aktualisiert am 15.11.2010

Oberdiessbach: In der Galerie Doktorhaus zeigen vier Künstler ihre Werke. Das Spektrum reicht von Kunststoff-Skulpturen über Mischtechniken bis zu Polaroidbildern und Eisenplastiken – grenzenlose Vielfalt in Harmonie.

Die Galerie Doktorhaus in Oberdiessbach präsentiert seit gestern Werke von vier zeitgenössischen Schweizer Künstlern und damit ein breites Spektrum. Bereits im Eingang fesseln die eleganten Eisenplastiken von Christian Sahli. Seine ersten Kunstwerke hat der 1943 Berner aus Abfallstücken einer Schlosserei angefertigt. Inzwischen hat er sich seinen Namen geschaffen. Kunst aus Türfallen Sahli versteht es, seine Trouvaillen in der Symbiose von eleganter Anmut und kraftvollem Ausdruck zu verbinden. Durch das Bearbeiten der zum Teil beweglichen Einzelteile verleiht er seinen Skulpturen und Fabelwesen eine Eigendynamik. Türfallen und Werkzeuge werden zu Flügeln, Beinen und Füssen. Durch die Beweglichkeit verändern die Objekte je nach Lust und Laune, Ausdruck und Stil. Daneben fesseln die bunten Farben von Michel Haenggis Werken. Blickfang sind vor allem die Glockentiere. Der Künstler hat dazu defekte Treicheln mit Kunststoff überzogen, fixiert und mit bunten Farben bemalt. Die Treichelöffnung bildet ein weit offenes Maul, und als Krönung tragen die Objekte echte Hörner. Neben einem breiten Spektrum an wirklichkeitsnahen Tieren und skurrilen Fabelwesen zeigt der ehemalige Berufsmusiker aus Zimmerwald eine Anzahl künstlerisch umrahmter Gebrauchsgegenstände wie Teelichthalter und Kerzenständer. Mark Dickerhof hat eine grosse Vorliebe für Polaroid-Fotografie. Nicht nur seine Bilder sind eine Augenweide, die Montage ist einmalig. So zeigt er 16 kleine Bilder einer Mondnacht, die Klebestreifenrückstände deutlich sichtbar, auf Leinen geklebt und unter Glas schwebend in einem Naturholzrahmen. Aber auch die grösseren Formate wie «Flieger» oder «Krähenhimmel» zeigen ihre Wirkung. Mit der Sammlung von Peter Schudel wird die Ausstellung abgerundet. Seine kleinformatigen Bilder zum Thema «Durchschaut» regen an. Die gezeichneten Menschen sollen nicht hinter Gittern leben; sie haben den Durchblick auf den Betrachter hinter Gittern. Verena Holzer >